Meinungsmache katastrophal
Ehrenbürger äußert sich „fachkundig“ zum Parkhausentwurf
Beitrag vom 06.02.2011Ein offener Brief
des Freiberger Ehrenbürgers und Nobelpreisträgers Prof. Günter Blobel
sollte offensichtlich wieder einmal „wachrütteln“.
Der studierte Mediziner behauptet darin, dass der vorliegende Entwurf
für das Parkhaus Fischerstraße eine katastrophale Verschandelung des
einmaligen historischen Freiberger Stadtbildes bedeutet.
Hier fällt mir ein Disput ein, den der damalige preußische
Ministerpräsident, im Landtag mit dem Mediziner Wirchow führte.
Er führte aus, dass Wirchow wohl kaum einem Nichtmediziner einen
medizinischen Eingriff erlauben würde, andererseits aber glaubt in der
Politik dilettieren zu können.
Unser Ehrenbürger scheint sich auf ein vergleichbares Glatteis begeben
zu wollen.
Architekten absolvieren ein langjähriges Studium, in welchem sie die
Fähigkeiten erlangen, mit Proportionen umzugehen und eben ordentliche
architektonische Entwürfe zu erarbeiten.
So ist es für einen guten Architekten auch selbstverständlich, dass eine
Fassade das Innenleben des Gebäudes widerspiegeln muss.
Es ist völlig unproblematisch, wenn einem etwas nicht gefällt.
Problematisch ist es allerdings, etwas als katastrophal zu beurteilen,
wenn man nicht die Fähigkeit erworben hat, die kritisierte Arbeit auch
unter fachlichen Gesichtspunkten beurteilen zu können.
In dem Fall sollte das alte deutsche Sprichwort gelten: Schuster bleib
bei deinen Leisten.
Rolf Rothermundt
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